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.schattengewerbe: wall street und drogengelder

Drogen sind in der Popkultur wohl eines der schönsten Themen. Nicht nur wegen des Rauschs, sondern auch wegen der Geschichten. Der kriminelle Hintergrund würzt die besten Erzählungen – ob nun die ganzen Gangstergeschichten innerhalb der Zeit der Prohibition oder die Drogenkriege aus Mexiko. Auch aktuell gewinnt die Fernsehserie „Breaking Bad“, die sich mit Chrystal Meth befasst, immer mehr Zuschauer: Ein Chemielehrer aus New Mexico, der an Krebs leidet, will seine Operation mit der Herstellung und dem Verkauf von Chrystal Meth bezahlen. Innerhalb kürzester Zeit verdient er Millionen, gerät aber auch in den Drogenkrieg zwischen Mexiko und den USA und wird vom liebenden Familienvater zum Kriminellen, „he‘s breaking bad“.

Was als sehr gut erzählte Geschichte die Zuschauer vor den Fernseher lockt, ist leider nicht nur Fiktion. Das Geschäft mit den Drogen ist ein Milliardengeschäft und besonders die Drogenkartelle in Mexiko versuchen dieses Geschäft mit aller Gewalt durchzusetzen. Mehr als 30.000 Menschen haben in dem Drogenkrieg zwischen den Kartellen und dem Staat in den letzten vier Jahren ihr Leben verloren. Allein diese Zahlen lassen erahnen, dass staatliche Institutionen in diesem Krieg nur am Rande eine Kontrollfunktion übernehmen.

Wachovia Bank: Schockierende Enthüllungen

In einem sehr guten, aber leider auch sehr erschreckenden Artikel deckt der Guardian auf, wie eine der größten US-amerikanischen Banken „Wachovia“ in diesem Drogengeschäft mitmischt. Im Februar 2005 stellte die Wachovia Bank, die heute zu Wells Fargo gehört, Martin Woods in der Anti-Geldwäsche-Abteilung in London ein. Solche Abteilungen sind für die Kontrolle der internen Abläufe wichtig, allerdings nicht mit staatlichen Kontrollinstanzen zu verwechseln. Schon bald fiel dem ehemaligen Scotland Yard-Officer Woods auf, dass Wachovia merkwürdige Transaktionen mit mexikanischen Filialen wie „Casas de Cambio“ (CDC) hatte. Von denen nahm Wachovia Wechselgeld an, ohne die Summen offen zu legen.

Darüber hinaus hat Wachovia zwischen 2004 und 2007 über die CDC 373 Millarden Dollar entgegengenommen. In bar kamen nochmal 4,7 Millarden Dollar hinzu. Kurz, Wachovia hat für die Drogenkartelle fast 400 Milliarden Dollar gewaschen. Neben der Geldwäsche hat die Bank auch Teile der Logistik finanziert: so wurden mit dem gewaschenen Geldern Flugzeuge wie eine DC-9 im Wert von 13 Millionen Dollar gekauft. 2006 kontrollierten Soldaten eines dieser Flugzeuge, in dem sich 5,9 Tonnen Kokain befanden. Pro Gramm bezahlt man in den USA 27 Dollar. Die Flugzeuge haben sich also schnell rentiert.

Als Woods seinen Chefs später die Ergebnisse zeigte wurde er laut einem Artikel im „Barrons“ von seinen Chefs schikaniert und bekam später sogar Morddrohungen. Er glaubt, dass Leute von Wachovia dem Drogenkartell einen Tipp gegeben haben. Woods wurde zu einem wichtigen Whistleblower, der nicht nur dieses Blutgeschäft offen legte, sondern auch ein noch viel größeres Problem: durch die Globalisierung des Bankenwesens und die fehlenden Kontrollinstanzen ist es möglich, solche Geschäfte zu machen.

Nicht Cayman Island, sondern Wallstreet

Nun ist dieser eine Fall öffentlich geworden. Warum aber haben diese Entdeckungen bislang wenig Gehör gefunden? Es wäre naiv zu glauben, dass Wachovia die einzige Bank ist, die mit Drogen Geld verdient. Die größten Geldwäschen passieren nicht auf Cayman Island oder der Isle of Man, sondern in London und der Wall Street. Allein eine Anklage gegen die sechstgrößte Bank der USA dürfte zu einer Finanzkrise führen. Andere Thesen gehen sogar soweit, dass ohne die Drogengelder, die US-Börsen zusammenbrechen würden.

Die Arbeit der Ermittler war nicht in erster Linie durch Todesdrohungen behindert, sondern durch eine Art der Ignoranz von den Banken wie Behörden. Die Wachovia-Mitarbeiter konnten oder wollten einfach keinen Zusammenhang zwischen den Drogen und den Geldflüssen herstellen. Und überhaupt: Ist es wirklich so schlimm solche Geschäfte zu machen? Die finanzielle Bilanz dieser Geschichte: Die späteren Bußgelder wurden von Wells Fargo bezahlt: 160 Millionen Dollar, zwei Prozent des Gewinns 2009.

Obwohl dieser Fall der perfekte Stoff für einen neuen Hollwood-Blockbuster ist, bleibt vorerst ein sehr bitterer Nachgeschmack. 1) Wachovia ist nicht die einzige Bank in diesem Schattenspiel. 2) Die geringe Strafe kann nicht als Abschreckung dienen. Der Teufelskreis bleibt also bestehen: so lange „seriöse“ Banken Kartelle durch Geldwäschen unterstützen, werden die ihren Machenschaften weiterhin nachgehen können.

Dieser Text wurde am 4. Mai bei der Berliner Gazette veröffentlicht.

Foto von Justin / Flickr CC 2.0 by

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