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Netz soll denken! Seit langem träumen Entwickler und Anwender davon, dass das Internet Informationen nicht nur wiedergibt, sondern auch interpretiert und eigenständig Zusammenhänge herstellt. So wie das Menschen mit ihrer Kommunikation (vor allem durch Sprache) auch schaffen. Zwar wurden Internet und World Wide Web dazu erdacht, Rechner zu vernetzen und Informationen zu verteilen, anstatt sie nur zu speichern. Aber über diesen ersten Gedanken ist das WWW in seinem jetzigen Zustand schon weit hinaus.

Komplexe Algorithmen, Bewertungssysteme von Webseiten und fast einheitliche Programmiercodes haben das Web so weiterentwickelt, dass die gefragte Information schnell und überall zur Verfügung steht. Auf einer Party ist jedes Streitgespräch über einen bestimmten Sachverhalt schnell beendet: nach ein paar Klicks auf dem Smartphone weiß man zum Beispiel, auf welcher B-Seite Muse den Song “Popcorn” coverte. Das Suchergebnis ist meistens deshalb so schnell zur Hand, weil wir wissen, wo wir suchen sollen. Im Zweifelsfall bei Wikipedia.

“Essen” ist nicht gleich “Essen”

Probleme bekommen wir als InternetnutzerInnen dann, wenn wir komplexe Fragen haben. In diesem Moment muss das Internet selbst anfangen “zu denken”: um uns eine Antwort liefern zu können, muss es unsere Frage interpretieren. Allerdings gibt es dann nicht eine einzelne Antwort, sondern, sondern ellenlange Ergebnisseiten.

Zum Beispiel wenn wir fragen: “Welches Buch sollte ich unbedingt mal lesen?”. Im Rahmen der Idee des Semantischen Webs sollten diese Probleme behoben werden. Suchmaschinen, wie Wolfram Alpha hatten sich vorgenommen, dieses Dilemma zu beenden und mittels Datenbanken die eine Antwort auf eine Frage zu liefern. Das System stößt dabei jedoch schnell an seine Grenzen: Je höher der Interpretationsspielraum bei einer Frage ist, desto ungenauer werden die Antworten.

Der aktuelle Wechselkurs von einem Euro zum Dollar bietet daher nur ein Ergebnis, die Einschätzung der aktuellen politischen Lage im Nahen Osten liefert gleich mehrere Millionen. Wolfram Alpha offenbarte dabei das große Problem des Semantischen Webs: Das Web kann zwar Daten zuordnen, interpretiert sie aber je nach Programmierung. Ein Beispiel dafür: Das Wort “Essen” stellt viele Algorithmen vor eine große Herausforderung – ist nun die Stadt oder die Nahrungsaufnahme gemeint?

Wie der Hashtag bei Twitter funktioniert

Beim Weiterdenken des Semantischen Webs kann die Suchmaschine Google nicht der alleinige Maßstab sein. Vielmehr sollten sich Semantisches Web und Social Web einander annähern. Unter dem Schlagwort Social Semantic Web tun sie das bereits.

Ein Beispiel: Die Nutzer von Twitter versuchen ihre Kommunikation an den vorgegebenen Rahmen anzupassen. Um über ein gleiches Thema zu reden, wird ein #Hashtag verwendet. Das Thema wird damit “indexiert“ (= tagging) und andere Interessenten können Beiträge zu diesem bestimmten Thema schneller finden. Auf der Seite von Twitter kann man dann sehen welche Themen (Trending Topics) gerade besonders interessant sind.

Der Dienst Hashable will diese Art des Tagging nutzen, um ein “Soziales PageRank” zu erstellen. In dem wir unsere Aktivitäten (ob nun auf Facebook, Twitter oder in anderen sozialen Netzwerken) mit einer # versehen, soll der Algorithmus diese besser zuordnen. Auf die Frage “Wer geht mit mir heute #tanzen?“ könnte eine eindeutigere Antwort gegeben werden.

In erster Linie will Hashable Leute vernetzen, in dem Personen und Aktivitäten verbunden werden. Aber auf lange Sicht könnte das aktive Nutzen des Hashtags und des @-Zeichens (um Personen zuzuordnen) dazu führen, dass Suchen im Web dem Suchen im Real Life näher kommen.

Die Raute im Alltag gebrauchen

Ein Beispiel: “@andi geht in Essen mit @thomas eine Currywurst #essen”. Anhand dieses Satzes könnten Suchmaschinen besser verstehen, was wir gerade machen. Zusammen mit anderen Vernetzungen würde bei einer späteren Suche nach einer guten Currywurst in der Nähe keine 260.000 Ergebnisse mehr erscheinen, sondern vielleicht 10.

Um diese Form der Suche tatsächlich in den Alltag zu integrieren, müsste die Raute zu einem festen Bestandteil unserer Kommunikation werden. Neben der klassischen Interpunktion würde ein weiteres Zeichen in unseren aktiven schriftlichen Wort- und Zeichenschatz aufgenommen werden.

Ich sehe jetzt schon die Hüter der Deutschen Sprache aufschreien, Kultursendungen, die die Apokalypse vorhersehen und Großdemonstrationen vor der Duden-Zentrale, aber was das @ geschafft hat, könnte auch die # schaffen.

Dieser Text wurde am 7. Februar bei der Berliner Gazette veröffentlicht.

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Diskussion

Eine Antwort zu “.eine #raute für das denkende netz”

  1. Ich würde eher aufschreien weil das Ganze deine persönlichen Vorlieben noch transparenter macht als eine Kundenkarte im Real. Gerade steht bei Spiegel Online, wie deine Web-Community schon heute vorsortiert wird.

    Vielleicht ist so etwas wünschenswert. Ich will es nicht.

    Geschrieben von André | 12. März 2011, 12:15

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